Heumulch- und Heudrusch®-Verfahren in der Praxis

Zunächst ist die Herkunftsregion des Saatgutes zu ermitteln. In enger Kooperation mit den zuständigen Behörden, Naturschutzverbänden und ansässigen Landwirten werden geeignete Spenderflächen ausgewählt. Die Pflanzenbestände werden schonend geerntet und zu Rundballen gepresst. Dabei spielen Schnittzeitpunkt und Reifegrad der Pflanzen eine wichtige Rolle. Bei Bedarf wird schonend nachgetrocknet und zwischengelagert. Die Terminierung erfolgt in Abstimmung mit dem Bauherrn.

Das Heumulchmaterial wird mit einem Spezialgerät gehäckselt und auf die Vegetationsflächen aufgeblasen oder mit einem Hydroseeser (Nassansaat-Maschine) appliziert. Für die Anwendung des Heudrusch®-Verfahrens werden die Rundballen zum Dreschzentrum gebracht. Hier erfolgt ggf. eine Nachtrocknung, bevor das Saatgut in einem speziellen Verfahren ausgedroschen und abgefüllt wird. Das so gewonnene Samenmaterial ist problemlos lagerfähig. Nach Durchführung einer Qualitätssicherung (Keimversuche) wird das Heudrusch®-Gut per Nassansaat ausgebracht.

Der Vorteil des Heumulch-Verfahrens besteht darin, dass während der Lagerung das Saatkorn an der Mutterpflanze verbleibt und so gegebenenfalls nachreifen kann. Darüber hinaus werden auch Moose, Sporen und Kleinstlebewesen übertragen, was bei humuslosen Rohböden die Initialzündung für eine erfolgreiche Begrünung beschleunigen kann. Allerdings müssen auch größere Mengen an Biomasse aufgebracht werden, denn beim Heumulchverfahren wird nahezu die gesamte oberirdische Biomasse übertragen. Hierdurch ist ein sofortiger Erosionsschutz durch die Mulchdecke gewährleistet. Das Kleinklima wird verbessert und die Austrocknung der Vegetationsfläche reduziert, was den Keimungsvorgang beschleunigt.

Beim Heudrusch®-Verfahren ist der Erntezeitpunkt vom Begrünungstermin entkoppelt, weil das Druschgut über einen längeren Zeitraum gelagert werden kann; dies bedeutet eine große Flexibilität hinsichtlich des Bauablaufes. Darüber hinaus werden Keimversuche angelegt und dokumentiert, so dass eine genaue Definition der optimalen Aufwandmenge möglich ist. Auf diese Weise ist eine umfassende Qualitätssicherung und Projektdokumentation gewährleistet.