Qualitätsoffensive "Pro Natur": Begrünung mit gebietseigenem Saatgut

Beispiel Sandrohboden: Trockenrasen mit Steppensalbei (Salvia nemorosa)

Beispiel städtisches Grün: Artenreiche Regiosaat 1 Jahr nach der Ansaat

Beispiel Hochwasserdeich: Böschungsrasen aus Regiosaat

Beispiel Industriebrache: Trockenrasen auf technogenem Rohboden

Das differenzierte Wurzelsystem artenreicher Bestände führt zu einem zuverlässigen und nachhaltigen Erosionsschutz

Ergebnis einer Einsaat mit Regelsaatgut (RSM Rasen) auf einem Sandrohboden. Ausfälle und Lückigkeit des Bewuchses sind beim Einsatz von artenarmen Rasenmischungen auf solchen Standorten fast immer zu erwarten.

22.04.2015

Laut Bundesnaturschutzgesetz ist bei Begrünungen in der freien Landschaft mit gebietseigenem Saatgut von Wildarten zu arbeiten. Das Unternehmen BENDER unterstützt seit Jahren diese Vorgaben im Rahmen der Qualitätsoffensive "Pro Natur"


Um die Überformung und Verfälschung der heimischen Flora durch genetisch einheitliche, in der Natur nicht vorkommende Zuchtsorten zu verhindern, ist laut Bundesnaturschutzgesetz bei Begrünungen in der freien Landschaft mit gebietseigenem Saatgut von Wildarten zu arbeiten. Der Einsatz von Regelsaatgut (z. B. RSM Rasen) ist gemäß BNatSchG seit 2014 nicht mehr zulässig – mit einer Übergangsfrist bis 2020 zwecks Anpassung des Marktes an die neue Rechtssituation.

Die Saatguterzeuger haben sich bereits auf die neue Gesetzeslage eingestellt und arbeiten mit Hochdruck daran, die stark zunehmende Nachfrage zu befriedigen. Daraus resultierend gibt es verschiedene Regiosaatgut-Mischungen für eine Vielzahl von Standorttypen sowie die Möglichkeit der Übertragung von Mäh- und Druschgut von regionalen Spenderflächen (naturraumtreues Saatgut). Die Empfehlungen für Begrünungen mit gebietseigenem Saatgut der FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.) sind für Praktiker und Planer daher unerlässlich. Bezugsquelle

Was spricht neben der gesetzlichen Vorgabe aus der Sicht von Experten aus Forschung und Praxis für den Einsatz von gebietseigenem Saatgut (Regio-Saatgut)?

  • Besserer Erosionsschutz:
    Die Wurzelbildung von Regio-Saat ist durch Artenreichtum und hohem Kräuteranteil viel differenzierter als bei RSM Rasen mit reinen Gräsern oder max. ca. 3% Kräuteranteil. Daher effektiverer Erosionsschutz mit Regiosaat (siehe Abbildung "Vegetationsprofil“).

  • Höhere Nachhaltigkeit:
    Bestände aus Regio-Saat sind v.a. auf Rohböden dauerhaft, während RSM-Rasen extremen Bedingungen häufig nicht standhält und nach wenigen Jahren schütter wird, z. T. auch ganz abstirbt. Daher nachhaltiger Erosionsschutz mit Regiosaat

  • Nachweise in der wissenschaftlichen Fachliteratur:
    Verschiedene Autoren konnten nachweisen, dass die beste Erosionsfestigkeit sogar auf besonders beanspruchten Flussdeichen allgemein durch artenreiches Extensivgrünland mit einem hohen Naturschutzwert gewährleistet wird. Literaturhinweise (Auswahl):
    • Bloemer, S., Egeling, S., Schmitz, U. (2007): Deichbegrünungsmethoden im Vergleich: Sodenverpflanzung, Heudrusch®-Verfahren und Handelssaatgut im Hinblick auf Biodiversität, Natur- und Erosionsschutz.- Natur und Landschaft 82, Heft 6, S. 276-283
    • Husicka, A. (2003): Vegetation, Ökologie und Erosionsfestigkeit von Grasnarben auf Flussdeichen am Beispiel der Rheindeiche in Nordrhein-Westfalen. Dissertationes Botanicae 379. Cramer. Berlin – Stuttgart. 194 S.
    • Husicka, A. u. Schulte, G. (1999): Flussdeiche – Lebensräume zur Erhaltung und Reaktivierung der biologischen Vielfalt in den Auen? LÖBF-Mitteilungen (Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten/Landesamt für Agrarordnung Nordrhein-Westfalen) 1/1999: 38–46.
    • Liebrand, C. (1999): Restoration of species-rich grasslands on reconstructed river dikes. Agricultural University. Wageningen. 217 S.

  • Auflaufgeschwindigkeit:
    Es ist zwar zutreffend, dass kräuterreiche Regio-Mischungen je nach Standort und Witterung zum Teil langsamer auflaufen als artenarme, gräserdominierte RSM-Rasenmischungen. Allerdings wird dies durch die routinemäßige Zugabe rasch keimender Ammengräser (Schnellbegrünungs-Komponente, z. B. Bromus secalinus) problemlos mehr als kompensiert.

  • Standorteignung:
    Regiosaatgut entstammt dem betreffenden Naturraum, in dem auch die Begrünungsfläche liegt; sein genetisches Potenzial ist daher optimal an klimatische und weitere Standortbedingungen angepasst. Folglich ist v.a. bei schwierigen Bedingungen mit deutlich weniger Ausfällen zu rechnen als bei Ansaaten mit Zuchtsorten aus RSM-Rasenmischungen.
    Bei Regelsaatgut handelt es sich dagegen um züchterisch entwickelte Sorten ohne regionalen Bezug. Regelsaatgut ist genetisch uniform und wird ohne jede naturräumliche Zuordnung von der Nordseeküste bis zu den Alpen und vom Rhein bis zur Oder und darüber hinaus eingesetzt. Vielfach stammt das Saatgut sogar aus undefinierten, globalen Herkünften.

  • Pflege:
    Da Regiosaatgut nicht aus starkwüchsigen Zuchtgräsern, sondern aus Wildformen mit meist hohem Kräuteranteil besteht, sind die sich daraus entwickelnden Bestände in der Regel weniger wüchsig und damit ärmer an oberirdischer Biomasse. Aufwand und Kosten für die Pflege (Mahd) sind daher geringer. Dies trifft vor allem auf wachstumsfreundliche Standorte wie Oberbodenandeckungen und bindige Böden mit ausreichendem Wasserangebot zu.

  • Kosten:
    Die anfänglich etwas höheren Kosten für die Ansaat mit Regiosaatgut werden durch einen in der Regel jahrelang geringeren Pflegeaufwand und eine bessere, nachhaltige Erosionsschutzleistung mehr als kompensiert.

  • Umwelt- und Naturschutz:
    Artenreiche Bestände aus Regio-Saatgut bieten der regionalen Fauna wesentlich mehr Nahrung und Unterschlupf. Regio-Saatgut fördert im Vergleich zu RSM-Rasenmischungen die Biodiversität.

  • Landschaftsbild, Ästhetik:
    Arten- und blütenreiches Regio-Saatgut trägt zu einer deutlichen Aufwertung unserer an Vielfalt verarmten Kulturlandschaft bei. Blütenreiche Bestände werten die Landschaft ästhetisch auf und wirken wohltuend und ausgleichend auf den Betrachter.

Die optimale Lösung für eine nachhaltige Begrünung ist immer der Einsatz von naturraumtreuem Saatgut, z. B. in Form von Mäh- und Druschgutübertragungen. Aus der Sicht einer reibungslosen Terminplanung und Disponierung ist diese Art der Begrünung jedoch rechtzeitig zu planen; gebietseigenes Regio-Saatgut bietet daher eine praktikable Alternative.

Worauf es bei der Ausschreibung und beim Einsatz von Regiosaatgut ankommt:

  • Bei Ansaaten (Nass- oder Trockenansaaten) nach DIN 18917 und 18918 = Zuschlagstoffe und Saatgut nach Art und Menge genau beschreiben!

  • Im LV-Text sollte unbedingt Folgendes vermerkt sein: „Die Zuschlagstoffe sind in Originalgebinden anzuliefern und auf der Baustelle zur Überprüfung durch die Bauüberwachung bereitzustellen. Originallieferscheine und Rückstellproben des Saatguts sind vorzuhalten bzw. werden vor Ort gezogen!"

Falsche Argumente erkennen und nicht akzeptieren!

Das Anmelden von Bedenken gegen die Verwendung von Regio-Saatgut, z. B. aus Gründen des Erosionsschutzes, ist fachlich falsch und nicht begründbar (siehe oben)! Dieses Vorgehen dient lediglich dem Ziel, sich Preis- und somit Marktvorteile zu verschaffen. Zieht man die Gesamtkosten eines Bauprojektes in Betracht, z. B. im Verkehrswegebau, so ist der Begrünungsanteil marginal.